VIRUSLAST? NACHWEISGRENZE? ICH VERSTEH NUR BAHNHOF.

By admin

Derzeit kursieren wieder viele Berichte über die so genannte Viruslast (viral load). Diese sagt was über Virusanzahl in Körperflüssigkeiten aus und vielleicht auch darüber, wie wahrscheinlich es ist, sich bei jemandem mit dem Virus anzustecken. Die Viruslast wird gemessen und auch das Wort „Nachweisgrenze“ taucht hier immer wieder auf.

Kann ich mich bei einem HIV-Infizierten noch anstecken, wenn er seine Pillen nimmt?
Was wird gemessen?

Warum wird gemessen?
Was kann man sehen?
Was bedeutet dann „Viruslast unter der Nachweisgrenze“?
Jetzt höre ich aber immer wieder was von „Sex unter der Nachweisgrenze“, was ist das?
Was ist bisher untersucht worden?

Was bedeutet das für einen schnellen Fick?
Also?!
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Kann ich mich bei einem HIV-Infizierten noch anstecken, wenn er seine Pillen nimmt?

So einfach ist das alles leider nicht. Derzeit kursieren wieder viele Berichte über die so genannte Viruslast (viral load). Diese sagt was über Virusanzahl in Körperflüssigkeiten aus und vielleicht auch darüber, wie wahrscheinlich es ist, sich bei jemandem mit dem Virus anzustecken. Die Viruslast wird gemessen und auch das Wort „Nachweisgrenze“ taucht hier immer wieder auf.

Was wird gemessen?

Es wird die Menge der HI-Viren im Blut, genauer gesagt im Blutplasma gemessen. Bei der sexuellen Übertragung von HIV ist aber neben anderen Bedingungen die Virusmenge in den Ausscheidungen der Geschlechtsorgane und in der Darmschleimhaut entscheidend für die Wahrscheinlichkeit, mit der es zu einer Ansteckung kommt. Dort wird die Virusmenge bei den ärztlichen Routinekontrollen NICHT gemessen.


Warum wird gemessen?

Bei der Messung der Viruslast bei einem mit HIV Infizierten geht es darum, die Wirksamkeit der Medikamente für den Infizierten selbst zu kontrollieren. Es geht also um eine Wirksamkeitskontrolle der Therapie.

Für die Frage der sexuellen Übertragbarkeit ist dies aber nur bedingt aussagekräftig. Denn hier müsste man die Viruskonzentration in den Ausscheidungen der Geschlechtsorgane („Genitalsekrete“, also hauptsächlich Samenflüssigkeit und Vaginalsekret) und im Arsch messen. Es gibt hier viele Unbekannte, mehr dazu hier: Originaltext Robert-Koch-Institut Berlin

Was kann man sehen?

Man kann sehen, wie viele Viren sich in einem Milliliter Blutplasma befinden.

Es gibt eine obere und eine untere Messgrenze. Die untere liegt in der ärztlichen Praxis bei 50 Viren pro Milliliter Blut.

Was bedeutet dann „Viruslast unter der Nachweisgrenze“?

Eine Viruslast unter der Nachweisgrenze bedeutet daher bei diesen Tests, dass weniger als 50 Viren in jedem Milliliter Blut sind. Es bedeutet nicht unbedingt, dass gar keine Viren im Blut sind. Ob diese Viren infektiös sind und wie viele in den für die sexuelle Übertragung des Virus wichtigen Körperflüssigkeiten statt im Blut herumschwimmen, kann man aus diesem Laborwert nicht herauslesen.

Solche niedrigen Werte der Viruslast werden bei HIV-Positiven praktisch nur unter wirksamen antiviralen Medikamenten gemessen.

Jetzt höre ich aber immer wieder was von „Sex unter der Nachweisgrenze“, was ist das?

Nein, es bedeutet nicht, dass du keinen Sex hast. Es wird viel darüber geschrieben und es geht um das Thema, ob HIV Infizierte andere eigentlich noch anstecken können, wenn in ihrem Blut kein HIV mehr nachweisbar ist. Also weg mit dem Gummi??? Das ist falsch.

Es müssen alle folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

die antiretrovirale Therapie (ART) wird durch den HIV-infizierten Menschen konsequent verschreibungsgemäß eingenommen und der Erfolg durch den behandelnden Arzt regelmäßig kontrolliert;

– die Viruslast (VL) unter ART (Kombitherapie) liegt im Blut seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze ;

– die antiretroviralen Medikamente müssen in genügender Menge im Genitaltrakt ankommen (das tun sie bei vielen Proteasehemmern nicht);

– es bestehen keine Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Erregern (STI) .

Was ist bisher untersucht worden?

Die meisten bisherigen Untersuchungen zur sexuellen Übertragbarkeit von HIV sind an festen heterosexuellen Partnerschaften vorgenommen worden und sehr klein, vorläufig oder indirekt oder alles zusammen. Eine große internationale Studie zur Übertragbarkeit von HIV in festen heterosexuellen Partnerschaften läuft zurzeit. Ergebnisse sind erst 2009 oder 2010 zu erwarten.

Für Männer, die Sex mit Männern haben, ist eine solche Studie bisher nicht einmal begonnen worden.

Eine Studie, in der das HIV-Übertragungsrisiko unter ART bei nicht monogam lebenden Infizierten erhoben wird, ist nicht in Sicht. Denn: Wie erfasst man das Infektionsrisiko bei wechselnden Partnern? Es ist für diese Gruppe kein Studiendesign denkbar, bei dem zuverlässig alle im Untersuchungszeitraum gewählten Partner untersucht werden können.

Eine 2004 veröffentlichte Studie findet in den Flüssigkeiten, die die Darmschleimhaut absondert, mehr Virus als im Blut. Und zwar unabhängig davon, ob eine Therapie erfolgt oder nicht.

Die Entscheidung, ob das serodifferente [einer positiv, anderer ungetestet/negativ], feste Paar auf weitere Schutzmassnahmen verzichtet, muss nach eingehender Information und Beratung der HIV-negative Partner treffen, weil der das Infektionsrisiko trägt.

Was bedeutet das für einen schnellen Fick?

Für den schnellen Sex im Darkroom oder auf einer Sexparty oder in ähnlichen Situationen sind alle diese Aussagen und Feststellungen unbrauchbar.

Du müsstest folgende Fragen stellen:

- Bist du HIV-infiziert?

- Nimmst du eine antivirale Therapie?

- Besteht die auch aus Medikamenten, die in genügender Menge im Sperma ankommen?

- Bist Du sicher, dass sich gegen diese Medikamente noch keine Resistenzen entwickelt haben und die Viruslast im Blut nur deswegen unter der Nachweisgrenze ist, weil die restlichen Medikamente der Kombination (die nicht ins Sperma wandern) dafür noch gerade reichen?

- Nimmst du die Medikamente konsequent?

- Wird der Therapieerfolg regelmäßig vom Arzt kontrolliert?

- Ist deine Viruslast unter der Nachweisgrenze?

- Wie lange schon?

- Hast Du nach der letzten Viruslastmessung Deine Einnahmegewohnheiten geändert?

- Hast du irgendeine sexuell übertragbare Krankheit, z.B. eine Syphilis?

Und du müsstest jederzeit wissen, ob du selbst eine sexuell übertragbare Krankheit hast, weil in dem Fall Deine Empfänglichkeit für eine Ansteckung mit HIV größer ist. Also auch, wenn beispielsweise deine frisch erworbene Syphilis ohne Symptome ist, du sie also noch gar nicht bemerkst.

Insgesamt musst du natürlich dann den Angaben deines Gegenübers auch noch glauben können.

Nicht sehr antörnend, nicht sehr sexy, nicht sehr wahrscheinlich, oder?

Also?!

- Keine HIVnegative Person soll bei einer sexuellen Begegnung auf den Selbstschutz verzichten.

- Wer sich auf die Aussage des Gegenübers «ich bin HIV-negativ» oder «ich bin unter wirksamer ART» verlässt, geht ein HIV-Infektionsrisiko ein, da die Zuverlässigkeit der Aussagen nicht überprüfbar ist.

- Die Verantwortung für die eigene Gesundheit kann auch in diesen Situationen nicht auf andere abgewälzt werden.

In einer festen, serodifferenten Partnerschaft(ein Partner HIV-positiv, ein Partner HIV-negativ/ungetestet) trifft die Entscheidung, ob das Paar auf weitere Schutzmassnahmen verzichtet, der HIV-negative Partner, weil dieser letztendlich die Konsequenzen einer HIV-Infektion tragen müsste, falls es wider Erwarten doch zu einer HIV-Übertragung käme.

Ergebnis:

Also bleibt´s dabei: Ficken nur mit Gummi. Blasen, raus bevor´s kommt. Das ist safer. Immer. Ohne viel Gelaber. Ohne das dumme Gefühl danach.

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