VIRUSLAST? NACHWEISGRENZE? ICH VERSTEH NUR BAHNHOF.

Mai 15, 2008 von admin

Derzeit kursieren wieder viele Berichte über die so genannte Viruslast (viral load). Diese sagt was über Virusanzahl in Körperflüssigkeiten aus und vielleicht auch darüber, wie wahrscheinlich es ist, sich bei jemandem mit dem Virus anzustecken. Die Viruslast wird gemessen und auch das Wort „Nachweisgrenze“ taucht hier immer wieder auf.

Kann ich mich bei einem HIV-Infizierten noch anstecken, wenn er seine Pillen nimmt?
Was wird gemessen?

Warum wird gemessen?
Was kann man sehen?
Was bedeutet dann „Viruslast unter der Nachweisgrenze“?
Jetzt höre ich aber immer wieder was von „Sex unter der Nachweisgrenze“, was ist das?
Was ist bisher untersucht worden?

Was bedeutet das für einen schnellen Fick?
Also?!
[ bedeutet weiterführender Link]

Kann ich mich bei einem HIV-Infizierten noch anstecken, wenn er seine Pillen nimmt?

So einfach ist das alles leider nicht. Derzeit kursieren wieder viele Berichte über die so genannte Viruslast (viral load). Diese sagt was über Virusanzahl in Körperflüssigkeiten aus und vielleicht auch darüber, wie wahrscheinlich es ist, sich bei jemandem mit dem Virus anzustecken. Die Viruslast wird gemessen und auch das Wort „Nachweisgrenze“ taucht hier immer wieder auf.

Was wird gemessen?

Es wird die Menge der HI-Viren im Blut, genauer gesagt im Blutplasma gemessen. Bei der sexuellen Übertragung von HIV ist aber neben anderen Bedingungen die Virusmenge in den Ausscheidungen der Geschlechtsorgane und in der Darmschleimhaut entscheidend für die Wahrscheinlichkeit, mit der es zu einer Ansteckung kommt. Dort wird die Virusmenge bei den ärztlichen Routinekontrollen NICHT gemessen.


Warum wird gemessen?

Bei der Messung der Viruslast bei einem mit HIV Infizierten geht es darum, die Wirksamkeit der Medikamente für den Infizierten selbst zu kontrollieren. Es geht also um eine Wirksamkeitskontrolle der Therapie.

Für die Frage der sexuellen Übertragbarkeit ist dies aber nur bedingt aussagekräftig. Denn hier müsste man die Viruskonzentration in den Ausscheidungen der Geschlechtsorgane („Genitalsekrete“, also hauptsächlich Samenflüssigkeit und Vaginalsekret) und im Arsch messen. Es gibt hier viele Unbekannte, mehr dazu hier: Originaltext Robert-Koch-Institut Berlin

Was kann man sehen?

Man kann sehen, wie viele Viren sich in einem Milliliter Blutplasma befinden.

Es gibt eine obere und eine untere Messgrenze. Die untere liegt in der ärztlichen Praxis bei 50 Viren pro Milliliter Blut.

Was bedeutet dann „Viruslast unter der Nachweisgrenze“?

Eine Viruslast unter der Nachweisgrenze bedeutet daher bei diesen Tests, dass weniger als 50 Viren in jedem Milliliter Blut sind. Es bedeutet nicht unbedingt, dass gar keine Viren im Blut sind. Ob diese Viren infektiös sind und wie viele in den für die sexuelle Übertragung des Virus wichtigen Körperflüssigkeiten statt im Blut herumschwimmen, kann man aus diesem Laborwert nicht herauslesen.

Solche niedrigen Werte der Viruslast werden bei HIV-Positiven praktisch nur unter wirksamen antiviralen Medikamenten gemessen.

Jetzt höre ich aber immer wieder was von „Sex unter der Nachweisgrenze“, was ist das?

Nein, es bedeutet nicht, dass du keinen Sex hast. Es wird viel darüber geschrieben und es geht um das Thema, ob HIV Infizierte andere eigentlich noch anstecken können, wenn in ihrem Blut kein HIV mehr nachweisbar ist. Also weg mit dem Gummi??? Das ist falsch.

Es müssen alle folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

die antiretrovirale Therapie (ART) wird durch den HIV-infizierten Menschen konsequent verschreibungsgemäß eingenommen und der Erfolg durch den behandelnden Arzt regelmäßig kontrolliert;

– die Viruslast (VL) unter ART (Kombitherapie) liegt im Blut seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze ;

– die antiretroviralen Medikamente müssen in genügender Menge im Genitaltrakt ankommen (das tun sie bei vielen Proteasehemmern nicht);

– es bestehen keine Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Erregern (STI) .

Was ist bisher untersucht worden?

Die meisten bisherigen Untersuchungen zur sexuellen Übertragbarkeit von HIV sind an festen heterosexuellen Partnerschaften vorgenommen worden und sehr klein, vorläufig oder indirekt oder alles zusammen. Eine große internationale Studie zur Übertragbarkeit von HIV in festen heterosexuellen Partnerschaften läuft zurzeit. Ergebnisse sind erst 2009 oder 2010 zu erwarten.

Für Männer, die Sex mit Männern haben, ist eine solche Studie bisher nicht einmal begonnen worden.

Eine Studie, in der das HIV-Übertragungsrisiko unter ART bei nicht monogam lebenden Infizierten erhoben wird, ist nicht in Sicht. Denn: Wie erfasst man das Infektionsrisiko bei wechselnden Partnern? Es ist für diese Gruppe kein Studiendesign denkbar, bei dem zuverlässig alle im Untersuchungszeitraum gewählten Partner untersucht werden können.

Eine 2004 veröffentlichte Studie findet in den Flüssigkeiten, die die Darmschleimhaut absondert, mehr Virus als im Blut. Und zwar unabhängig davon, ob eine Therapie erfolgt oder nicht.

Die Entscheidung, ob das serodifferente [einer positiv, anderer ungetestet/negativ], feste Paar auf weitere Schutzmassnahmen verzichtet, muss nach eingehender Information und Beratung der HIV-negative Partner treffen, weil der das Infektionsrisiko trägt.

Was bedeutet das für einen schnellen Fick?

Für den schnellen Sex im Darkroom oder auf einer Sexparty oder in ähnlichen Situationen sind alle diese Aussagen und Feststellungen unbrauchbar.

Du müsstest folgende Fragen stellen:

- Bist du HIV-infiziert?

- Nimmst du eine antivirale Therapie?

- Besteht die auch aus Medikamenten, die in genügender Menge im Sperma ankommen?

- Bist Du sicher, dass sich gegen diese Medikamente noch keine Resistenzen entwickelt haben und die Viruslast im Blut nur deswegen unter der Nachweisgrenze ist, weil die restlichen Medikamente der Kombination (die nicht ins Sperma wandern) dafür noch gerade reichen?

- Nimmst du die Medikamente konsequent?

- Wird der Therapieerfolg regelmäßig vom Arzt kontrolliert?

- Ist deine Viruslast unter der Nachweisgrenze?

- Wie lange schon?

- Hast Du nach der letzten Viruslastmessung Deine Einnahmegewohnheiten geändert?

- Hast du irgendeine sexuell übertragbare Krankheit, z.B. eine Syphilis?

Und du müsstest jederzeit wissen, ob du selbst eine sexuell übertragbare Krankheit hast, weil in dem Fall Deine Empfänglichkeit für eine Ansteckung mit HIV größer ist. Also auch, wenn beispielsweise deine frisch erworbene Syphilis ohne Symptome ist, du sie also noch gar nicht bemerkst.

Insgesamt musst du natürlich dann den Angaben deines Gegenübers auch noch glauben können.

Nicht sehr antörnend, nicht sehr sexy, nicht sehr wahrscheinlich, oder?

Also?!

- Keine HIVnegative Person soll bei einer sexuellen Begegnung auf den Selbstschutz verzichten.

- Wer sich auf die Aussage des Gegenübers «ich bin HIV-negativ» oder «ich bin unter wirksamer ART» verlässt, geht ein HIV-Infektionsrisiko ein, da die Zuverlässigkeit der Aussagen nicht überprüfbar ist.

- Die Verantwortung für die eigene Gesundheit kann auch in diesen Situationen nicht auf andere abgewälzt werden.

In einer festen, serodifferenten Partnerschaft(ein Partner HIV-positiv, ein Partner HIV-negativ/ungetestet) trifft die Entscheidung, ob das Paar auf weitere Schutzmassnahmen verzichtet, der HIV-negative Partner, weil dieser letztendlich die Konsequenzen einer HIV-Infektion tragen müsste, falls es wider Erwarten doch zu einer HIV-Übertragung käme.

Ergebnis:

Also bleibt´s dabei: Ficken nur mit Gummi. Blasen, raus bevor´s kommt. Das ist safer. Immer. Ohne viel Gelaber. Ohne das dumme Gefühl danach.

manCheck Berlin Pillen davor? Pillen danach? Was soll das?

Mai 15, 2008 von admin

PILLEN DAVOR? PILLEN DANACH? WAS SOLL DAS?

manCheck Berlin Info

In letzter Zeit werden neue „Präventionsmethoden“, also Methoden zur Vorbeugung einer Infektion, wie PrEP und PEP verstärkt diskutiert. Was steht hinter diesen Kürzeln? Kann man sich damit vor einer HIV-Infektion schützen?

[ bedeutet: Weiterführender Link]

PrEP Prä-Expositions-Prophylaxe (Pillen davor)
PEP Post-Expositions-Prophylaxe (Pillen danach – und zwar mindestens 30 Tage lang).
Was kostet das Ganze?
Und wer zahlt das?
Resistenzen – gilt für beide:

Fazit

PrEP

Prä-Expositions-Prophylaxe (Pillen davor).

Hier wird versucht, durch Einnahme antiviraler Medikamente vor einem Risikokontakt einer HIV-Infektion vorzubeugen. Also Pillen rein, ein paar Stunden warten und dann Sex?nach oben

Und das funktioniert?

Niemand kann bisher sicher sagen, ob das funktioniert. Zwar gibt es viel versprechende Ergebnisse aus Tierversuchen. Beim Menschen sieht das anders aus, ein klarer Beweis der Wirksamkeit fehlt bislang. Auch zu bedenken ist: Beim aktuellen Stand der Heilkunst gibt es keine medikamentöse Wirkung ohne Nebenwirkung.

Heute schon ist klar: Kondome sind wirksame Mittel zum Schutz vor einer HIV-Infektion, und sie haben deutlich weniger Nebenwirkungen als alle bekannte Medikamente gegen HIV, ob vor oder nach Exposition (Kontakt mit dem Virus) oder Infektion.nach oben

PEP

Post-Expositions-Prophylaxe – Pillen danach.

Und zwar mindestens 30 Tage lang.

PEP bedeutet, nach einem eindeutigen Risikokontakt vier Wochen lang täglich eine Dreifach-Kombination gegen HIV gerichteter Medikamente konsequent einzunehmen, um zu verhindern, dass HIV in Körperzellen eindringen kann. Wichtig ist hier, möglichst schnell nach dem Risikokontakt mit der Einnahme zu beginnen.

Die Kombinationstherapie muss zur PEP vier Wochen lang eingenommen werden. Auch hier gilt: Medikamente haben Nebenwirkungen. Mal mehr, mal weniger. Mal heftiger, mal schwächer. Das ist bei jedem anders. Häufig sind die Nebenwirkungen gerade in den ersten paar Wochen nach Therapiestart besonders heftig, weil unsere Entgiftungsorgane einige Wochen benötigen, um ihre volle Leistung zu erreichen.

Spätestens nach den ersten vier bis sechs Wochen sind die meisten heutigen Medikamentenkombinationen gegen HIV einigermaßen verträglich; die PEP wird aber nur in der Zeit verstärkter Nebenwirkungen eingenommen.

Daher ist die Zahl der Leute groß, die vor Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen, Bauch- und Kopfschmerzen kapitulieren und die PEP nicht die gesamten vier Wochen einnehmen. Das sollte man sich besser in Ruhe vor dem Eintreten eines solchen Notfalls überlegen:
Wer nicht bereit ist, trotz eventuell auftretender Nebenwirkungen die gesamten vier Wochen lang durchzuhalten, kann sich den Aufwand auch gleich ganz sparen.nach oben

Was kostet das Ganze?

Den Beispielen liegen jeweils Mengen für einen Monat und Marktpreise einer Internetapotheke zugrunde.

Die bisher für die PrEP in Studien eingesetzten Substanzen heißen Viread (Medikament mit einem Wirkstoff) oderTruvada (Medikament mit zwei Wirkstoffen, schnitt im Tierversuch besser ab).

Viread® 30 Filmtabl. (N2)

501,74€

Truvada® 30 Filmtabl. (N2)

792,50€

Ein Beispiel einer gängigen, zur PEP eingesetzten Kombination:

Combivir® 60 Filmtabl. (N3)

657,00€

Kaletra® 120 Filmtabl. (N1)

811,46€

Macht für die PEP schlappe 1468,46 €nach oben

Und wer zahlt das?

In bestimmten Fällen bei der PEP die Krankenkasse. Eine PrEP immer du selbst, falls sie dir jemand verschreibt. Schwarzmarkt? Ganz böse Falle! Im günstigsten Fall nur Traubenzucker …nach oben


Resistenzen – gilt für beide:

Durch Fehler bei der Einnahme antiviraler Medikamente kann die Resistenzentwicklung unterstützt werden. Wer bereits unwissentlich infiziert ist und eine PrEP mit Truvada oder gar mit der Einzelsubstanz Viread versucht, züchtet Resistenzen (weil für die Therapie der HIV-Infektion stärkere Kombinationen benötigt werden). Bei der späteren Behandlung der HIV-Infektion erschwert eine Resistenz gegen antivirale Wirkstoffe die weitere Therapie. Heißt: Wenn´s dich dann mal erwischt, sind in dem Fall einige Medikamente möglicherweise wirkungslos, weil das Virus sich schon dran angepasst hat. Wenn man sich also einem dieser Experimente unterzieht, dann sollte man sich sehr genau an die Einnahmevorschriften halten. Und man muß sicher sein können, dass man nicht bereits mit HIV infiziert ist.

Es gibt bestimmt Situationen, in denen PEP oder PrEP sinnvoll zu nutzende Möglichkeiten sind. Ein gleichwertiger Ersatz für das Kondom und Safer Sex bei freiwilligen, selbstbestimmten sexuellen Kontakten sind sie mit großer Sicherheit nicht.nach oben

Fazit
Deine Entscheidung:
Ist es das wert? Was bist du dir wert?

Also? Ist doch alles ganz einfach:

Ficken nur mit Gummi. Blasen: Raus bevor´s kommt

manCheck Berlin – das Vorort Gesundheitsprojekt für Männer

Mai 15, 2008 von admin

manCheck

ist das Gesundheitsteam für Männer mit schwulem Sex in Berlin. Wir gehen an Orte, an denen sich Männer treffen, die Sex mit Männern haben. Hier informieren wir über HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten und natürlich darüber, wie man sich davor schützen kann. Überblick über unsere Arbeitsgebiete.
Wir haben ein Team von ehrenamtlichen Mitarbeitern, ohne das wir unsere Arbeit gar nicht leisten könnten.
(mitmachen? hier clicken) Von der Party über die Kneipe bis hin zu Parks und Clubs findest du unsere verschiedenen Aktionen.
Natürlich sind wir auch auf Berlin´s Megaevents wie Straßenfesten, CSDs, Osterledertreffen, Folsom Europe und dem Karneval der Kulturen zu finden.

Mit dem Projekt DARKANGEL schaffen wir eine Plattform für alle, die grundsätzlich safer Sex machen und das auch zeigen wollen.
Bei Safety 4 Free arbeiten wir mit Wirten, Betreibern und Partyveranstaltern zusammen, die Safer Sex in ihren Betrieben unterstützen.

manCheck ist ein Projekt der Schwulenberatung Berlin, die wiederum mit anderen Projekten im Dachverband LABAS (Landesarbeitsgemeinschaft Berliner AIDS Selbsthilfegruppen) vernetzt ist.

Spendenkonto: 333 7 111 Bank für Sozialwirtschaft Berlin 100 205 00 Verwendungszweck manCheck